DIE WELT online - Bayern

DIE WELT

Donnerstag, 16. August 2001     Berlin, 11:21 Uhr

DIE WELT
     
WELT AM SONNTAG

TAGESINHALT

POLITIK

WIRTSCHAFT

FINANZEN

IMMOBILIEN

KULTUR

SPORT

FORUM

WISSENSCHAFT

MEDIEN

TV-PROGRAMM

AUS ALLER WELT

HAMBURG

BERLIN

BREMEN

BAYERN
    Wirtschaft
    Gesellschaft
    Feuilleton
    Allgemein
    Blickpunkt

WEBWELT

BERUFSWELT

LITERARISCHE WELT

REISEWELT

AUTO & BOOT

LEBENSART


ARCHIV

TELEfontARIFE

WETTER

ABONNEMENT

MEDIAWELT

HILFE

IMPRESSUM

KONTAKT

ANMELDUNG



EUROPEAN DAILIES ALLIANCE


Multikulti bringt Think Tank      
Vorteile gegenüber der Konkurrenz


Der internationale Charakter des Unternehmen lässt Abwerbeversuche wirkungslos abprallen

José Vallejo aus Mexiko, der Russe Ales Shyshko, Vikas Chhabra aus New Delhi und Arun Chaudhuri:
Die IT-Spezialisten von Think Tank
Von Nicolas Kellner

München - Abwerben zwecklos: Multikulti in der neuen Wirtschaft hält zusammen. Wie etwa bei Think Tank in München, einem Projektberater für Internetlösungen von Großunternehmen, bei dem über 50 Prozent der Mitarbeiter aus dem Ausland kommen: aus Russland, Tunesien, Indien und Mexiko. "Das ist unser Geheimnis und Vorteil", sagt Geschäftsführer Christian Heller, "deshalb gibt es uns im Gegensatz zu manch anderen auch schon seit fünf Jahren."

Die Gefahr beziehungsweise Verlockung der Abwerbung ist jedoch groß, wenn die besten Programmierer, Entwickler und Projektleiter vor Ort bei den Kunden eingesetzt werden. Aber nicht nur Gehalt, freie Tage oder Zusatzhonorare zählen, vielmehr sind es der Teamgeist und das internationale Ambiente bei Think Tank, die im vierten Stock in der Lindwurmstraße in München die Fluktuationsrate sehr niedrig halten. "Wer einmal kommt, bleibt auch hier", bestätigt Heller. Das Kommen und Gehen in den Räumen der Denkfabrik bezieht sich bestenfalls auf die Tages- oder Nachtzeit. "Kernarbeitszeit ist zehn bis siebzehn Uhr", meint der Firmenboss gut gelaunt. Währenddessen verabschiedet sich gerade Achmed wie selbstverständlich diesmal etwas früher am Nachmittag. Der junge Tunesier ist Informatikstudent, 21 Jahre alt und seit Anfang des Jahres dabei. Zusammen mit einem deutschen und russischen Kollegen tüfteln der Programmierer an einer Datenbanklösung für ein Industrieunternehmen aus der Elektronikbranche. Die Verständigung erfolgt in Englisch, die gemeinsame Antriebsfeder normalerweise bis tief in die Nacht hinein ist die Liebe zum Detail. Projektleiterin ist Monika Günther, deutschstämmig, aber geboren und aufgewachsen in Südafrika. Vor gut einem Jahr kam die Informatikerin nach ihrem Wechsel von der Südspitze Afrikas an die Isar. Das "Hardcore-Programmieren" sei meist Männersache, für Design und Gestaltung im virtuellen Raum sind jedoch die Webdamen verantwortlich, sagt Günther. Wenn der Chef geht, und das ist oft genug spät am Abend, sitzt das buntgemischte Team aus mehreren Nationen häufig noch vor den PCs. Programmiert wird hier an einer globalen Internetseite für einen europaweit agierenden Auftraggeber, unter deren einheitlichem Web-Dach die bislang verschiedenen mehrsprachigen Länderauftritte ins Netz gebracht werden sollen. Dort an einem neuen Projekt, das die Themen Internet und Fernsehen mittels Settop-Boxen näher zusammenbringen soll. Daran sind acht Leute beteiligt: vier Deutsche, ein Tunesier und drei Russen. Ales Shyshko kommt aus Minsk und hat dort sechs Jahre lang Software für eine Bank erstellt. Die Arbeit hier sei viel abwechslungsreicher, erzählt der 33-Jährige ruhig, in gebrochenen, aber verständlichen Deutsch. Er arbeite so intensiv und lange, wie das laufende Projekt es halt erfordere. Dabei bleibt wenig Zeit, eine Wohnung zu finden. Doch dafür gibt es Manuela Braun, ein Allroundgeist in dem 35-Mitarbeiter-Unternehmen. Sie ist dafür verantwortlich, dass keine personellen oder bürokratischen Engpässe auftreten - etwa durch auslaufende Arbeitserlaubnisse oder nicht rechtzeitig verlängerte Aufenthaltsgenehmigungen. Drei Mitarbeiter wurden bislang über das Green-Card-Programm der Bundesregierung von ihr angeheuert. Die anderen ausländischen Beschäftigten kämen meist durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu dem Münchner Unternehmen. "In Deutschland erfahrene Programmierer zu bekommen ist schwierig", sagt Heller, im Ausland stünden die Chancen besser. Unterstützung erhält Think Tank auch von Arun Chaudhuri, einem Deutschen indischer Abstammung. Chaudhuri hat sich mit seiner IT-Vermittlung Mindworks-Group im selben Haus auf Internetexperten und Programmierer aus Indien spezialisiert.

Multikulti in der neuen Wirtschaft bedeutet mehr als nur Sprachenvielfalt, unterschiedliche Hautfarbe oder verschiedene Lebensgeschichten. "Das Aufeinanderprallen der Kulturen ist das Spannende", meint Chergui Mohamed, ebenfalls Tunesier und Projektmanager bei Think Tank. Gerade das Multikulturelle mache die Stärke aus, da fließe viel Wissen und Erfahrung hinein. Alleine in München gebe es 15 Programmierer aus Tunesien, sagt Mohamed, deutschlandweit seien es rund 50. Es gibt tunesische Internet-Stammtische an der Isar und es existiert auch eine eigene Web-Firma von ihm in Tunis. "Wir wollen dort mit unserem hier erworbenen Wissen helfen, aber auch Brücken für jungen Nachwuchs zwischen München und Tunis bauen", sagt Mohamed.


Zur aktuellen Channel-Übersicht
Tagesübersicht



erschienen am: 16. 08. 2001
Channel: Bayern
Bereich: Bayern Wirtschaft


WETTER
München
Donnerstag
23 ºC